1/1

Podarcis siculus siculus aus Taormina, Sizilien – Herkunftsort der Kolonie in San Pedro bei Los Angeles, USA

HILDEGARD PASSARGE und GUNTRAM DEICHSEL, August 2017

DEICHSEL, NAFIS & HAKIM, Herpetological Review 2010 beschreiben eine Kolonie von P. s. siculus in San Pedro. Bilder und weitere Informationen einschließlich der zitierten Publikation sind online auf www.californiaherps.com und www.lacerta.de einzusehen. Die dortigen Tiere gehen auf vier weibliche und drei männliche im September 1994 ausgesetzte Adulttiere aus Taormina zurück. Trotz dieses engen „Flaschenhalses“ von nur sieben Gründungsindividuen der Kolonie in San Pedro zeigt sich dort ein breites Spektrum verschiedener Morphen, das die Variabilität dieser Unterart am Herkunftsort widerspiegelt. Ich (HP) hatte Gelegenheit, in Taormina und im benachbarten Naxos im Mai 2017 Eidechsen zu fotografieren. GD stellte eine Auswahl aus meinem Bildmaterial zusammen, kommentierte die Bilder und versah sie mit Legenden. Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf Abbildungen unten.

Die braune Grundfärbung von Jungtieren [2, 3] wird bei Adulttieren durch leuchtendes bis blasses Grün ersetzt, meist mit braunen Resten an den Flanken (lateral) und auf dem Rücken (dorsal) zum Schwanz hin (nach caudal) zunehmenden Braunanteilen. Einzelne Adulttiere behalten das Braun bis auf wenige grüne Flecke wie in [13] oder es fehlt jegliches Grün wie von GD anderswo auf Sizilien im Jahr 2000 beobachtet (Forza d’Agro, www.lacerta.de). Die Extremitäten sind stets braun mit hellen Flecken. Viele Tiere haben einen oder auch mehrere blaue Augenflecke (Ozellen) an den Schultern, die meist nur teilweise schwarz umrandet sind [2, 3, 6–13] Gelegentlich sind vordere Körperpartien lateral schwach blau [10, 11, 12, 15]. Die Rückenzeichnung besteht aus unregelmäßig geformten schwarzen Flecken, die in einer [4] oder drei [5–7] Längsreihen angeordnet, irregulär verteilt sind [8] oder die sich zu einer Netzstruktur verdichten (Retikulierung) [9]. [4] zeigt eine orangefarbene Kehle und Bauchseite, letztere ist am Rand des Brustbereichs sichtbar. Die Flanken sind häufig retikuliert [10, 11, 12]. Tiere ohne schwarze Pigmentierung (Amelanismus) sind häufig [15–20], [19] mit orangefarbener Kehle. Dorsal und lateral zeichnungslose Tiere wurden von früheren Autoren als „concolor“ oder „olivacea“-Morphe beschrieben. Übergangsformen zwischen gefleckten und concolor-Morphen gibt es gelegentlich [14].

Das Bildmaterial von HP ist das Ergebnis einer opportunistischen Ausbeute am Rande eines Touristikprogramms. Sie hat in Taormina und Naxos während einer Woche ca. 120 Ruineneidechsen gesichtet. Eine gezielte und systematische Suche hätte eine wesentlich höhere Zahl (geschätzt ca. 500) beobachteter Eidechsen ergeben. Dies erklärt die geringe Zahl von Tieren mit farbigen Kehlen oder auch Unterseiten als zufälliges Beobachtungsdefizit von HP in Taormina. Das doch relativ häufige Auftreten von gefleckten Tieren mit farbigen Unterseiten in San Pedro kann als Ergebnis einer gewollten Selektion in Verbindung mit einer genetischen Drift gedeutet werden. Nur sieben Tiere wurden in San Pedro ausgesetzt. Die aussetzende Person hat besonders „schöne“ Tiere als Reisemitbringsel ausgewählt, wozu sie sich in einem Interview mit GD im Jahr 2010 bekannte.

Abb. 1: Die Ruinen des antiken Amphitheaters von Taormina, die zusammen mit der Aussicht von Goethe als einzigartig beschrieben wurden.

Abb. 2: Braunes Jungtier.

Abb. 3: Jungtier mit beginnender Grünfärbung.

Abb. 4: Männchen mit einer irregulären Mitteldorsallinie, orangefarbener Kehle und (am Rand des Brustbereichs noch erkennbarer) Unterseite.

Abb. 5: Weibchen mit drei dorsalen Fleckenreihen.

Abb. 6: Männchen mit drei dorsalen Fleckenreihen und bis auf die Spitze intaktem (nicht regenerierten) Schwanz.

Abb. 7: Trächtiges Weibchen mit drei Reihen dorsaler Flecken.

Abb. 8: Männchen mit irregulärer Zeichnung.

Abb. 9: Dorsal retikuliertes Männchen.

Abb. 10: Männchen, lateral retikuliert mit Blauanteilen.

Abb. 11: An den Flanken retikuliertes Männchen mit Blauanteilen mit in der Morgensonne gespreizten Rippen.

Abb. 12: Paar, Männchen mit Blauanteilen.

Abb. 13: Weibchen, dorsal braun retikuliert mit einem Anflug von Grün.

Abb. 14: Ein Weibchen pirscht sich an eine Ameise. Die Färbung stellt einen Übergang zu einer concolor-Morphe dar – die Rückenzeichnung ist auf winzige schwarze Punkte reduziert.

Abb. 15: Trächtiges Weibchen der concolor-Morphe mit Blauanteilen.

Abb. 16: Weibliche concolor-Morphe mit Resten einer Flankenzeichnung.

Abb. 17: Männliche concolor-Morphe mit Resten einer Flankenzeichnung.

Abb. 18: Weibliche concolor-Morphe mit rudimentärer Mitteldorsallinie.

Abb. 19: Concolor-Morphe mit orangefarbener Kehle.

Abb. 20: Junge concolor-Morphe.

Beobachtete syntope Herpetofauna
An den Tockenmauern aus Lavasteinen in Naxos sonnen sich morgens Mauergeckos Tarentola mauritanica [21]. GD beobachtete auf dem Gelände des Amphitheaters von Taormina im Juni 2000 eine Karbonarschlange Hierophis viridiflavus carbonarius, die in bekannt hoher Geschwindigkeit ein offenes Stück Grasland überquerte, und fand eine andere unter einem Stück Abfallpappe im Zustand kurz vor der Häutung mit trüben Augen [22]. Karbonarschlangen sind häufige Prädatoren von Ruineneidechsen.

Abb. 21: Mauergecko Tarentola mauritanica beim morgendlichen Sonnenbad mit an den Lavastein angepasster Tarnfärbung.

Abb. 22: Karbonarschlange Hierophis viridiflavus carbonarius, kurz vor der Häutung mit trübem Auge.

Dank
Wir danken ULRICH SCHULTE als Eidechsenexperte für die redaktionelle Durchsicht und GARY NAFIS als Muttersprachler für das „Glätten“ der englischen Übersetzung.

Verfasser: Hildegard Passarge und Guntram Deichsel (E-Mail: guntram.deichsel@gmx.de)